Die Trikotfrage

Donnerstag, der 17. September 2009, 15:06 Uhr von Lefois

Werder AthletikHeute Abend startet Werder also endlich in die heißgeliebte Europa League. Auch wenn ich ehrlicherweise zugestehen muss, dass ich mich an Werder und Gruppenphase EL irgendwie nicht gewöhnen kann. So habe ich während der CL Spiele immer noch verzweifelt nach Werder im Programmheft gesucht.

Dessen unbeachtet wird so ein Fussballabend natürlich immer zelebriert: Ausgewählte, ausnahmslos werderaffine Freunde kommen vorbei, das Bier ist aus Bremen, die Beamerlampe wird gefühlte tausend mal auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft und die innerliche Aufregung macht sich im Laufe des Tages auch äußerlich immer mehr bemerkbar. Das fängt mit leichten Zuckungen der Fingerspitzen an und hört bei versuchten Wechselrufen im Büro auf.  Spätestens wenn einen die Kollegen nach einem “Hallo Westkuurve” verwirrt anschauen ist es Zeit nach Hause zu gehen.

Zu Hause angekommen stellt sich dem geneigten Exilbremer die Frage, welches Trikot denn heute anzuziehen ist. Man will ja Farbe bekennen und außerdem -eigentlich noch viel wichtiger- ist man als Fussballfan sehr abergläubisch. Jahrzehnte alte Riten die auf die Kindertage zurückzuführen sind werden akribisch genau durchgeführt. Da gibt es das immergleiche Shirt als Unterhemd, das Schweissband von 1986, der richtige Schal liegt auf dem Fernseher respektive unter der Leinwand, die Snacks sind immer die gleichen, .. diese Liste wäre wohl noch unendlich fortzführen. Am allerwichtigsten ist für mich aber die Trikotwahl.

Im Stadion gibt es da keine Diskussion. Mein grünes 2001er hat mich in Berlin zum Pokalsieg geführt, in Bremen Diegos Tor des Jahres bewundert und Bielefelds 8:1 Klatsche bejubelt. Es hat in München ein 5:2 erlebt und in Lautern das Erreichen zur Champions League Quali am letzten Spieltag. Viele Feste hat es gefeiert. Es wird mich wohl immer im Stadion begleiten.

Aber vorm Fernseher? Da gab es letzte Saison eine klare Aufteilung: Ligaspiele wurden vom 2008er Heimtrikot, Frings unterstützt. Wie wohl bekannt sein sollte im Gleichschritt mit der Beflockung eher mit durchwachsenem Erfolg. Und die internationalen Spiele? In der CL Gruppenphase konnte ich mich nicht einigen, habe routiert und versucht, es wollte sich aber einfach kein Erfolg einstellen.

Zum UEFA-Cup habe ich dann nochmal auf dem Transfermarkt zugeschlagen: Das 2008er Auswärtstrikot mit dem Käpt’n musste her. Diese Investion sollte sich sehr schnell bezahlt machen. Milan wurde niedergekämpft, ASSE und Udine mehr oder weniger souverän ausgeschaltet und der HSV raus ge(papier)kugelt. Alles in allem: Ein Toptransfer! Wenn da nicht dieses Finale gewesen wäre. Die Mannschaft ein Schatten ihrer selbst, ist man gegen Donezk sang- und klanglos untergegangen.

Was habe ich aber für Alternativen? Das 2001er ist fürs Stadion besetzt und darf auf keinen Fall für ein Fernseherlebniss aufgebraucht werden, Frings fringst sich immernoch durch die Liga, mein 2005er Marke “Kik” hat sich selbst in der Vergangenheit gegen Espanyol ausgekloset.

Einen Panikkauf auf dem Transfermarkt kann ich mir auch nicht vorstellen, der Markt ist überhitzt, der Sponsorenspruch doof. Eigentlich bleibt nur noch die auf dem Bild zu erkennende Alternative. Ein aus meiner eigenen Werder Jugend stammendes Leichtathletiktrikot, ein bischen zu klein, ein bischen zu wenig Fussball, auf jeden Fall ein bischen viel komisch.

Und vor allem: Dies ist mein Unterhemd, welches ich seit Jahr und Tag drunter trage wenn meine Grünweissen wieder mal nach sportlichen Erfolg streben.

Aber ich werde eine Lösung finden. Um es mit Klaus Allofs zu sagen: Unser Kader ist gut besetzt. Trotzdem ist der Markt natürlich immer unter Beobachtung. Bis dahin wird wohl ein Ersatztrikot aus der zweiten Reihe her halten müssen. Ich habe noch ein fernsehunerfahrenes Trainingstrikot rum liegen. Man muss die Jugend ja auch mal ins kalte Wasser schmeissen. Vielleicht setzt sie sich ja durch.

Oder ich gebe Baumi noch eine Chance.

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