Ein Issue mit dem personal Branding der IFA

Dienstag, der 15. September 2009, 17:19 Uhr von Lefois

Ich bin nun schon einige Jahre in der IT Branche unterwegs und hatte mit diversen Typen aus dem Marketing zu tun. Es gibt da natürlich verschiedene Abstufungen aber im großen und ganzen – sorry Leute – gehen mir die Jungs und Mädels mittlerweile gehörig auf den Sack.

Das fängt mit der Sprache an. Da habe ich immer den Eindruck sie wollen einen mit Fremdwörtern erschlagen um zu kaschieren das sie keine Ahnung haben. Dieses Jahr auf der IFA konnte ich das ziemlich gut beobachten und es war immer interessant wenn man dann irgendwann im Gespräch seinen Ausstellerausweis raus geholt hat und den Leuten erst dadurch klar machen konnte das man vom Fach ist und auf dieses Bla nicht angewiesen ist. Leider hat das nicht geholfen. Ein “Sorry, da kann ich dann nicht helfen” war das höchste der Gefühle. Die armen Besucher die etwas wirklich interessantes wissen wollten und sich noch länger das Gequatsche anhören mussten um zu erfahren das sie nichts erfahren werden tun mir heute noch leid.

Ok. Vielleicht muss ich auf einer Konsumentenmesse ein bischen von meinem hohen Ross runter kommen und zugestehen dass der normale Frührentner sich nicht für Ontologien im Internet interessiert. Mag sein. Wir haben es trotzdem versucht und an verschiedenen Beispielen versucht technische Hintergründe anschaulich zu erklären. Gerade der Berliner Pensionär mit seiner Hilde an der Seite (“Wat is dat denn hier“) war gegen Ende eines langwierigen, bildlichen und sehr interessanten Gespräch dann doch erstaunt was alles so an Technik hinter dem Internetzdingens steht.

Aber zurück zu ihnen. Das ein Fernsehhersteller lieber ein Haufen hübscher Mädels anstellt, die rudimentär im Augen klimpern schult und eher nicht darauf eingestellt ist das jemand fragt wie denn nun die neuste OLED Technik genau funktioniert… damit kann ich leben. Da gibt es dann bestimmt ne tolle Bildschirmfachmesse für.

Das aber ein großer Access Point Hersteller auf Anfrage nach eventueller Kooperation in einem großen Forschungsprojekt mit Ziel der mittelfristigen Produktisierung nichts weiter als “Ich bin nur Salesman, schreiben se doch mal ne Email an info@…” antwortet und nicht in der Lage ist einen Kontakt zu vermitteln, das hat mich doch sehr erstaunt. Da frage ich mich ernsthaft wer diese Leute ernst nehmen will. Der Kollege ist nach eigener Aussage Salesman (=Verkäufer). Da will man Kohle scheffeln, da müssen die Dollarzeichen in Warpgeschwindigkeit durch die Augäpfel rattern wenn da jemand steht und eventuell nen Batzen Geld locker machen kann.

Nun würde ich mich nicht so aufregen wenn dies ein Einzelfall gewesen wäre. Dann würde ich mich über die Firma lustig machen, sie eventuell sogar nennen und gut ist. Aber nein. Fast jeder Hardwarehersteller hatte einfach keine Ahnung. Da wussten die Navigationshersteller nicht ob sie noch an etwas anderes ausser GPS basierter Navigation arbeiten und der Access Point Hersteller konnte keine Aussage über die Merkmale seiner professionellen Lösungen treffen (“Schaun se doch im Internet“).

Früher habe ich mich ja nur über deren Art und Weise aufgeregt. Heute zweifle ich ganz ernsthaft an der Daseinsberechtigung. Fürs Dummschnacken braucht es kein Studium. Das kann jeder Klassenclown und dieser ist in der Regel immerhin witzig.

Manche Aussteller verlangen, vollkommen zurecht, ein Mindestmaß an Interesse für einen Kuli. Ich verlange ein Mindestmaß an Gesprächsinhalten für meine Visitenkarte.

Sorry Leute, so nicht.

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